02.09.2018: Wer wird neuer CIS-Besitzer?

Das gesamte Sportcenter der CIS Solothurn AG gelangt nun am 11. Dezember zur Versteigerung.

Marode ist es, und Sanierungsbedarf besteht. Doch nun muss die CIS Solothurn AG auch hinnehmen, dass ihr Sportcenter am 11. Dezember in einer betreibungsamtlichen Grundstücksteigerung veräussert wird. «Konkurs? Nein, das sind wir nicht. Und ich führe den Betrieb bis auf weiteres fort», teilt auf Anfrage Julian Wyss mit, der als Stellvertreter von Pierre-Benoît Huck die Geschäftsleitung des Centers Anfang Sommer übernommen hatte.

«Solange Wyss dort ist, läuft der Betrieb wie bisher weiter», bestätigt denn auch Urs F. Meyer, Leiter des städtischen Rechts- und Personaldienstes. «Und notfalls muss halt die Stadt den Betrieb sicherstellen», meint er weiter – was vor allem für die städtischen Sportvereine inklusive den TV Solothurn und dessen Handballabteilung, sowie für den Schulsport des Kantons Solothurn gelte, also die «Untermieter» der Stadt. Nicht sprechen könne er dagegen für die auch im CIS beheimatete Tennis-Akademie, so Meyer.  

Schatzung: 6,6 Mio. Franken  

Hintergrund für die Versteigerung ist das laufende Konkursverfahren gegen die CIS-Muttergesellschaft Dinett Holding AG, das zwar durch behördliche Strafanzeigen blockiert worden ist, aber jetzt zu einer Grundpfandverwertung der Gläubigerbank führt. Diese, die Bank AEK Thun, hat nun gegen die CIS Solothurn als Schuldnerin und Dinett-Tochtergesellschaft das Begehren zur Versteigerung des Baurechts auf dem CIS-Center gestellt. Im Amtsblatt wird dieses wie folgt umschrieben: «Das Recht besteht in der Errichtung und im Betrieb einer Mehrzwecksporthalle inklusive Garderoben und Konsumationsmöglichkeiten und Aussenanlagen für Tennisanlagen.» Der Baurechtsvertrag wurde erst vor kurzem bis 2074 verlängert. Das Areal umfasst 18403 Quadratmeter und «es liegt eine Schatzung von 6,6 Mio. Franken vor», wie auch Urs F. Meyer betont. Neben dieser betreibungsamtlichen Schatzung wird der Katasterwert der Anlage mit 1,643 Mio. Franken beziffert. 

«Wir steigern nicht

Nochmals erklärt der Leiter des Rechts- und Personaldienstes: «Die Stadt wird am 11. Dezember nicht mitsteigern.» Dies allein schon wegen der erwähnten Schatzung von 6,6 Mio. Franken – denn ein Betrag in dieser Höhe müsste an der Urne verabschiedet werden, was der Stadt ein Mitbieten aufgrund der Abläufe verunmöglicht. «Aber wir werden dort sein, und verfolgen, wer der neue Besitzer wird.» Im Moment sind offenbar zwei Interessengruppen daran, sich allenfalls im CIS zu engagieren. Die eine soll sich erst formieren und auf Mittelsuche sein, die andere ist wesentlich konkreter und auch schon an die Öffentlichkeit getreten: die IG Sport Solothurn IGSSO, angeführt von Ypsomed-CEO und FDP-Kantonsrat Simon Michel. Ob allerdings eine solche Gruppierung am 11. Dezember den Zuschlag für das CIS-Center erhält, ist angesichts der hohen Forderungen der Gläubigerbank für Urs F. Meyer sehr unwahrscheinlich. «Die Bank wird es wohl nehmen» (müssen), glaubt er. Und sich dann mit den noch interessierten Gruppierungen versuchen zu einigen.

Ein Vorgehen schliesst Meyer jedoch konkret aus: den Heimfall der Sportanlage aus dem Baurechtsvertrag an die Stadt. Diesen werde man sicher nicht geltend machen, «wenn es eine Lösung mit einer neuen Betreibergesellschaft gibt, ist das viel besser für uns». 

«Wir werden dabei sein»  

Ein Interessent am 11. Dezember steht schon fest: «Wir sind voll informiert und gespannt, wer alles mitbietet», hält Simon Michel als Präsident der IG Sport Solothurn fest. Man werde bei der Versteigerung aktiv dabei sein, lasse sich aber nicht in die Karten schauen, wie weit man gehen werde – ein Mindestgebot liege ja auch nicht vor. «Wir streben eine gesamtheitliche Lösung an», meint Michel im Hinblick auf die Bedürfnisse des Sports und seiner Vereine in der Region. Dabei spielt in seinen Überlegungen der Sanierungsbedarf des CIS-Centers eine wichtige Rolle. «Wir haben zwei Architekten-Gutachten eingeholt. Sie bewegen sich zwischen 2,5 und 5,5 Mio. Franken.» Günstiger komme ein reiner Tennisbetrieb, wesentlich teurer die Sanierung für die jetzige, polyvalente Nutzung.» Deshalb arbeitet die IG auch an der Lösung einer neuen Mehrfach-Sporthalle. Denn der Baurechts-Vertrag der Stadt sei bezüglich Zweckbindung «brutal» – man könne zwar die jetzige Anlage abreissen, müsse sie aber für die vertragsgemässe Nutzung wieder errichten. «Eine Mehrfach-Sporthalle auf der grünen Wiese kommt da wesentlich günstiger», verweist Michel auf bereits geäusserten Absichten, einen Hallen-Neubau mit einem möglichen Hostel allenfalls im «Weitblick»-Areal zu realisieren, das in Stadtbesitz ist. Ohnehin ist der Weiterbetrieb des CIS-Centers im bisherigen Rahmen für ihn von einem wichtigen Player abhängig: «Ohne den Schulsport des Kantons als Mieter geht es nicht.» 

Alles ein bisschen anders 

Nuanciert anders beurteilt dagegen Urs F. Meyer die Situation aus der Stadt-Sicht: Der Sanierungsbedarf könne mit 1 bis 1,2 Mio. Franken gedeckt werden und die Nutzung auf dem politischen Weg trotz Baurechtsvertrag stets geändert werden. Vor allem aber bezweifelt er, ob nach der Bedarfsabklärung durch die Repla auch wirklich genug Nachfrage für eine Dreifach-Sporthalle durch die Sportvereine der Region besteht. «Die Gefahr ist gross, das alle die Halle gleichzeitig (abends) benutzen wollen und sie tagsüber leer steht», befürchtet Meyer

Nur eines steht fest; die «Akte CIS» könnte dereinst Bundesordner füllen.